Leichtmatrosen habens schwer - Leinen los!
Der Leichtmatrose legt ab, um den deutschen Pop an neue Horizonte zu führen. Und er hat Großes vor. In der selbstbewussten Pose eines Bohemiens zitiert er die Extravaganz der New Romantic-Bewegung der frühen 80er-Jahre – und kokettiert ganz nebenbei mit der metrosexuellen Attitüde etwa eines jungen Marc Almond. So führt er geschickt Elemente aus NDW, Elektro und Poetic Pop zusammen, bleibt selbst aber stets als Beobachter an der Reling stehen.
„Da war doch irgendwann der Traum vom großen Glück, und du ein kleines Stück davon entfernt …”
(Junge von nebenan)
„Leichtmatrosen habens schwer” lautet eine musikalische Skizze des Künstlers. Ein Titel, der nun Programm geworden ist. Nach der Maxime „Jeder ist mal Randgruppe” schlüpft der Leichtmatrose in den niedrigsten Dienstgrad und erzählt von Menschen, die zwar meist nicht viel zu sagen, dafür aber umso mehr zu erzählen haben. So entstehen ausdrucksstarke Texte aus der Perspektive eines sympathischen Losers. Dabei werden Klischee-Vorstellungen ebenso wie gesellschaftliche Entwicklungen hinterfragt und gegebenenfalls mit einem Augenzwinkern persifliert. Seine Protagonisten sind mal jugendliche Amokläufer, idealistische Studenten, magersüchtige Models oder fernwehkranke Astronauten.
„Ich bin jetzt noch 2 Millionen Lichtjahre entfernt, doch ich hab gelernt zu warten … ganz egal, ich werde starten.” (Der einsame Astronaut)
Mit menschlichen Abgründen wurde der Leichtmatrose im weltlichen Leben schon oft konfrontiert – ob als Drogenberater oder Bewährungshelfer. Die Erkenntnis, dass Schwarz nicht immer Schwarz und Weiß nicht immer Weiß ist, durchzieht die bildgewaltigen Texte des Songwriters wie ein roter Faden. Sein Augenmerk richtet sich vor allem auf die Menschen in den Grauzonen. Eben die, denen nicht alles auf Anhieb perfekt gelingen mag.
„… die gut geplante Hungersnot fürs Sommer-Moden-Angebot“ (Sexi ist tot)
So vielschichtig die Betrachtungsweisen des Leichtmatrosen, so individuell ist seine Arbeitsweise. Tatsächlich zeichnet er allein für Komposition, Instrumentierung, Text und Gesang verantwortlich. Die Crew an Bord dieser neuen Andrea Doria bilden sein musikalischer Entdecker Joachim Witt und Produzent Sebastian Hackert (Deichkind, Fettes Brot). Vor allem deren Gespür für anspruchsvollen, deutschsprachigen Pop verleiht „Gestrandet” seine unverwechselbare Aura. Gemeinsam haben sei ein Werk voll fesselnder Melancholie geschaffen, dessen Tiefgründigkeit souverän mit der Leichtigkeit brillanter Melodien spielt.
Liebhaber außergewöhnlicher deutscher Popmusik könnten Parallelen zu Peter Heppner, Sven Regener oder Blixa Bargeld erkennen. Das Debüt des Leichtmatrosen leugnet gewisse nostalgische Züge keinesfalls. Doch anstatt sich mit einer einfachen Retrospektive zufrieden zu geben, steuert „Titel” musikalisches Neuland an, das sich konsequent vom Mittelmaß abhebt.
„Gestrandet” wird im Frühjahr 2009 erscheinen. Eine exklusive Album-Präsentation in ausgewählten Locations ist derzeit in Vorbereitung.
„der Sommer ging vorbei und ich war immer noch bei dir, gestrandet und vielleicht bleib ich noch länger hier …“