Gabriella Cilmi

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Gabriella Cilmi war beim Friseur. Statt langer, brauner Haare trägt die australische Sängerin jetzt einen Kurzhaarschnitt. Warum das von Bedeutung ist? Nun ja, es ist zwar ein altes Klischee, doch es steckt durchaus Wahrheit darin: Frauen gehen bekanntlich meistens dann zum Friseur, wenn sich ihr Leben grundlegend ändert. Und bei Gabriella Cilmi hat sich in den letzten Jahren so einiges verändert – was man ihrem dritten Album „The Sting“ deutlich anhört.

Rückblende: Gabriella Cilmi war gerade mal 13 Jahre alt, als sie bei einem Straßenfest in Melbourne entdeckt wurde. Sie unterschrieb einen Plattenvertrag, zog nach London und landete im Alter von 17 mit „Sweet About Me“ einen weltweiten Hit. Der Song verkaufte sich über zwei Millionen Mal, schaffte es in 16 Ländern in die Top 10 und hielt sich 37 Wochen in den britischen Single-Charts. Cilmis Debütalbum „Lessons To Be Learned“ ging anschließend eine Million Mal über die Ladentische und im Rahmen ihrer ausgedehnten Tourneen trat sie unter anderem auch auf dem legendären Glastonbury Festival auf.

So weit, so gut. Doch als Gabriella Cilmi zwei Jahre später den Nachfolger „Ten“ veröffentlichte, riet ihre damalige Plattenfirma ihr nicht nur zu einem neuen, Dance orientierten Sound, sondern auch zu einem „sexy Image“. Mit beidem fühlte Cilmi sich nicht wirklich wohl. „Ich hatte das Gefühl“, sagt sie, „dass das, was ich da machte, meine Person nicht repräsentiert.“

Und so entschied Cilmi sich für einen Neustart. Ende 2010 trennte sie sich von ihrer Plattenfirma und ihrem Management. Während einer Reise nach Peru, die sie angetreten hatte um Geld für „Breast Cancer Care“ zu sammeln, ging sie tief in sich und beschloss musikalisch fortan genau das zu machen, was ihr Herz ihr sagt. „Ich meine ich war damals gerade mal 19 Jahre alt, ich konnte ja schlecht in Rente gehen!“, lacht sie. „Aber ich hätte auch nichts anderes machen wollen, denn Musik ist nun mal das, worin ich gut bin.“

Gemeinsam mit ihrer Live-Band ging Cilmi für eine Weile nach New York und begann an Songs zu basteln. „Erst war ich mir selbst nicht sicher, ob ich es kann“, gesteht sie. „Aber eines Tages schickte mein Gitarrist mir ein Riff und plötzlich begannen all diese Ideen aus mir heraus zu sprudeln.“ So entstand schließlich der erste Song für Cilmis drittes Album „The Sting“: „Vicious Love“ ist eine tiefgründige, mit Streichern verzierte Ballade, die knistert wie eine alte Schellackplatte und bei der Cilmis soulige, rauchige Stimme richtig schön zur Geltung kommt.

Aber auch der Rest von „The Sting“ unterscheidet sich deutlich von Gabriella Cilmis bisherigen Alben. Auf der Suche nach einem Sound, der ihr Innerstes reflektiert, entstanden nachdenkliche Songs, deren Vibe im Vergleich zu „Sweet About Me“ geradezu düsterer wirkt. Düster auf eine schöne Weise. So beginnt der Albumopener „Highway“ mit einem atmosphärischen Rauschen, das zu einem schleppenden Trip-Hop-Beat wird. Und „Not Sorry“, das Cilmi gemeinsam mit ihrem jüngeren Bruder Joseph komponierte, hätte auch Portishead gut gestanden. „Ich habe tatsächlich eine Menge Trip Hop gehört, diesen Neunziger-Jahre Bristol-Sound, Portishead und Tricky“, so Cilmi. „Aber auch Singer/Songwriter, die ich schon immer geliebt habe, darunter Neil Young und John Martyn, und alte Soul-Platten von Bessie Smith und Otis Redding haben mich beeinflusst.“ So ist es keine Überraschung, dass es in Stücken wie „Symmetry“ und „Left With Someone Else“ schön soulig zugeht.

Textlich derweil zieht Gabriella Cilmi mit „The Sting“ einen Strich unter das Erlebte. Songs wie „Sweeter In History“ oder „Don’t Look Back“, das in Zusammenarbeit mit Albumproduzent Eliot James (Jamie N Commons, Two Door Cinema Club) entstand, handeln davon, mit der Vergangenheit abzuschließen. „Es gab eine Menge Dinge, die ich hinter mir lassen musste“, so Cilmi. „Nicht nur mein Management und Leute aus meiner Vergangenheit, sondern auch eine Beziehung. Das Album hat mir dabei geholfen. Für mich fühlt es sich an, als sei es mein Debüt, weil es das erste Mal ist, dass die Songs mich als Mensch wirklich widerspiegeln.“ Man könnte auch sagen: Mit „The Sting“ hat Gabriella Cilmi sich selbst gefunden. Und ihr neuer Haarschnitt, der steht ihr übrigens auch ausgezeichnet. „Vielleicht hat das wirklich eine gewisse Symbolik“, lacht sie. „Mein Vater ist Friseur und hat mir den Haarschnitt verpasst. Ich war tapfer und habe nicht geweint. Ich glaube es war einfach Zeit für eine Veränderung!“

 

„Symmetry

„The Sting“

„Album Teaser“

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