Mise en Scene

MeS-promo-3-2017-(Credit-Jesse-DeFlorio)

Die ehrlichsten Veränderungen beginnen im Kleinen – diesen Spruch könnten sich Stefanie Blondal Johnson und Jodi Dunlop auf ihre T-Shirts drucken lassen. Ich würde gleich ein Dutzend davon kaufen – für meine Freundinnen direkt mit. Denn als Mise En Scene zeigen die beiden Frauen, wie man von ganzem Herzen und über alle Hindernisse hinweg Künstlerin ist.

Ihre Geschichte beginnt, klar, im Kleinen: In Gimli, einem kanadischen Kaff am Ufer des Lake Winnipeg, treffen sich Blondal Johnson und Jodi Dunlop im Pausenraum – die Eine arbeitet für ein Film Festival, die Andere im Museum. Beide studieren an der Kunsthochschule mit Schwerpunkt Film und Malerei.

„Erst haben wir zusammen gemalt, dann musiziert und kurzerhand eine Band gegründet“, erzählt Blondal Johnson mit ansteckender Begeisterung.

Mise En Scene ist der perfekte Bandname für die zwei. Nicht nur, weil der Begriff aus der Filmtheorie ihnen ständig im Studium begegnet, sondern weil sie ihre unterschiedlichen künstlerischen Einflüsse so anordnen, wie es für sie passt: Dunlop spielt schon ihr halbes Leben lang Schlagzeug, kennt sich mit Jazz aus, ist aber auch Mitglied einer Punkband – kein Wunder, dass sie so energetisch ihre Drums bearbeitet! Blondal Johnson dagegen ist die totale Autodidaktin. Mit 20 bringt sie sich erst das Gitarre spielen bei, dann das Songwriting. Und natürlich überlassen die zwei D.I.Y.-Damen auch ihr Artwork nicht irgendwelchen Agenturleuten, sondern machen es lieber selbst – es ist quasi ein Teil ihrer künstlerischen Identität.

 

2012 erscheint ihr Debüt „Desire’s Despair“: Kraftvoller Indiepop mit Folkschlagseite. Mise En Scene singen sich erst in die kanadischen !earshot Top 50 und dann auf die Konzertbühnen der Welt – von lokalen Gigs übers Primavera Festival in Barcelona bis zum Hamburger Reeperbahnfestival. Ihr Unterwegssein halten sie mit Blondal Johnsons Pentax-Kamera fest. Schnappschüsse on the road – nicht, um auf Instagram anzugeben, sondern, weil es Spaß macht und das eigene Erleben die Inspirationsquelle für sie ist.

Allerdings ist die nach 2 ½ Jahren nonstop unterwegs auch mal erschöpft. Aber aufgeben ist nicht! Blondal Johnson sucht den Rückzug im Förderprogramm des Banff Centres. In den Bergen Albertas atmet sie zwei Wochen lang durch, überwindet eine hartnäckige Schreibblockade und arbeitet dann zusammen mit Dunlop an neuen Songs. Und wieder entsteht aus dem Kleinen, aus der Konzentration auf Inneres, etwas Großes, etwas, das über die Maßen nach außen strahlt. „Still Life On Fire“ ist eine Platte, in der das Verhältnis zu sich selbst in Beziehung mit der Welt, mit anderen tritt. „Wie will ich mich in diese Welt einbringen“ bringt Blondal Johnson es auf den Punkt. Und nein, da geht es zum Glück nicht um öde Mädchen/Jungs-Don’t-Break-My-Heart-Geschichten, sondern um so viel mehr.

„I’m ok“ ist die Ansage an alle da draußen, nicht ständig nachzufragen, ob man ok sei. Denn manchmal ist es in Ordnung, nicht ok zu sein. „Vor allem, wenn du eine Frau bist“, sagt Blondal Johnson und verweist den Feel-Good-Zwang auf die hinteren Plätze. Genauso wie das digitale Leben. „Closer“ plädiert für mehr Miteinander – im echten Leben, nicht via Display. „True“ ist dann doch noch der Liebe geschuldet, und zwar Blondal Johnsons Ehemann. Und schließlich der Titeltrack, der uns allen sagen will, egal was du durchmachst, die Hochs, die Tiefs, egal was passiert, du bist immer noch am Leben, stehst auf und machst weiter. „Es ist immer noch Life on Fire“ beschreibt Blondal Johnson ihren und Dunlops inneren Drang, unbeirrt das eigene Ding zu machen.

Musikalisch haben sich Mise En Scene für mehr Rock und Garage entschieden, beweisen aber immer noch ihr Händchen für Folk und Pop – New Pornographers meets Best Coast. Ach so, und einen Jungen haben sie außerdem engagiert. Nachdem sie jahrelang mit miesen Bassisten konfrontiert waren, haben sie in Dunlops Highschoolfreund Corey Hykawy nun die passende Verstärkung gefunden. Hykawy hat nicht nur 50.000 Songs auf seinem iPhone, ihm geht es genauso wie den Frauen um die Musik, nicht um den Lifestyle für ein Konzert nach Paris zu jetten. Und er weiß, dass die Ladies der Boss sind. „Wir brauchen keinen sexistischen Ego-Bullshit“ – weißte Bescheid! Auf „Still Life On Fire“ vermengen Mise En Scene ihre unterschiedlichen Einflüsse zu einem mitreißenden Sound – vom Dunkel ans Licht, von der Stille zum Lärm, vom vermeintlichen Scheitern übers Aufstehen und Weitermachen – vom Kleinen ins Große. Und jetzt am besten selbst ein paar T-Shirts designen.

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