Teitur

Teitur

Teitur

Irgendwo im Nordatlantik
Die Färöer-Inseln. Hierzulande kennen sie viele nur aus Testspielen der deutschen Fußballnationalmannschaft. Aber wo sie genau liegen, weiß eigentlich kaum einer. Das nordatlantische Inselgrüppchen mit seinen gerade mal 50.000 Einwohnern läuft eindeutig unter dem Radar.

Man kann hierin durchaus eine Parallele zu einem ihrer bekanntesten Einwohner sehen. Teitur. Musiker. 2003 unterschreibt er seinen ersten Plattendeal im fernen New York. Mit feinfühligen Songs wie „I was just thinking“ oder „One and only“ singt er sich direkt in die Herzen der Singer/Songwriter-Welt. Es folgen vier weitere Solo-Alben, die ihn genau dort fest verankern.

Verglichen mit Island – mittlerweile eine feste Größe im Musikzirkus – sind die Färöer-Inseln noch immer unbekanntes Land. Daher passt es auch, dass sich Teitur seine weltweite Fanbase eher ruhig und beständig erspielt und nicht mit einem großen Knall. Wie heißt es in seinem Song „The Singer“ so schön, „I never meant to be a singer, but I am slowly getting used to the idea“. Seine zeitlosen Alben sind halt einfach die, die man seinen geschmacksicheren Freunden empfiehlt.

Seal bezahlt den Anstrich
Er schrieb Songs mit und für Corinne Bailey Rae, Aloe Blacc oder Marit Larsen. Seal nahm ein Cover von „You get me“ auf. „Ich dachte damals, das bezahlt mein Haus. Naja, es hat zumindest den Anstrich bezahlt.“, so Teitur schmunzelnd dazu. Zuletzt arbeitete er mit Judith Holofernes an ihrem neuen Album „Ich bin das Chaos“ und veröffentlichte mit dem gefeierten Neo-Klassik Liebling Nico Muhly das Konzept Album „Confessions“, dessen Texte von Youtubevideos und ihren Kommentaren inspiriert wurden. Dazu ein Barock-Orchester. Na klar.

Die Enge der Schublade
Allein das Projekt mit Nico Muhly zeigt, dass Teitur mehr ist als ein weiterer Skandinavier mit Gitarre und schönen Singer/Songwriter Songs. Sein Schaffen scheint umfassender, vielseitiger und abwechslungsreicher, die Schublade Singer/Songwriter etwas eng. So will auch sein aktuelles Projekt dort nicht so recht hineinpassen. Die Y Arpeggios.

Musik. Farben. Isaac Newton
„Auf die Y Arpeggios kam ich auf der Suche nach Harmonien, die nicht auf klassischen Akkorden basieren. So kam mir die Idee in zwei Tonarten gespiegelt in entgegengesetzter Richtung zu spielen. Wenn ich mit einer Hand abwärts spiele, spiele ich mit der anderen gespiegelt aufwärts. Die beste Beschreibung, die ich dafür fand war der Buchstabe Y.“ Was Teitur da am Klavier schuf, waren Muster.

Wie er es so oft mit neuer Musik tut, schickte er die ersten Aufnahmen an Freunde. Darunter auch die Designerin Margrethe Odgaard. Sie schlug sofort die Brücke zu Isaac Newtons Studien, in denen er bereits 1704 verschiedenen Tönen Farben zugewiesen hat. So ist laut dieser Theorie ein C rot, ein D orange und so weiter.

Aus Teiturs Musik und Newtons Theorie entwickelte Odgaard ein visuelles Konzept. Zwei auf verschiedene Hölzern wie Eiche, Esche etc. gedruckte Halbkreise symbolisieren die zwei verschiedenen Tonarten, die in der Mitte verschmelzen. Die Verbildlichung der zwei sich simultan und gespiegelt bewegenden Hände am Klavier.

Zugegeben, das mag nun nach einer verkopften unzugänglichen Welt klingen, deren Konzept ein reiner Selbstzweck ist, aber weit gefehlt. Teitur und Odgaard öffnen hier eine farbenprächtige Welt für mindestens zwei Sinne. Eine Welt, die es vermag, schon auf Grund der Theorie zu begeistern, die aber mindestens genauso fesselt, sollte man diesen Text nie gelesen haben.

Die Y Arpeggios EP wurde in Teiturs Studio auf den Faröer Inseln aufgenommen und von Pink Floyds Mastering Guru Andy Jackson gemastert.

 

 

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